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Europäische Grundeinkommenskonferenz in Brüssel

Unter dem Titel „Emancipating European Welfare“ fand am Donnerstag, den 10. April 2014, in Brüssel im Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss eine europaweite Konferenz zum bedingungslosen Grundeinkommen mit 180 TeilnehmerInnen statt.

Einigkeit gibt es darüber, dass das bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) nicht als Allheilmittel dargestellt werden darf, dass das BGE andere Formen sozialer Sicherheit ergänzen und nicht ersetzen soll und dass das BGE erst in existenz- und teilhabesichernder Höhe und erst in Verbindungen mit anderen Maßnahmen seine volle emanzipatorische und demokratische Wirkung entfalten kann.

Vielfalt der nächsten Schritte auf dem Weg zum BGE:
Eurodividenden-Vorschlag von Philippe van Parijs zur Stabilisierung des Euros wird kontroversiell diskutiert. Spanische BürgerInnen-Initiative will dem erfolgreichen direktdemokratischen Beispiel der Schweiz folgen. Europaparlamentarier Gerald Häfner (Grüne) setzt sich für Verbesserung der Europäischen BürgerInnen-Initiative und der Schaffung eines verbindlichen direktdemokratischen Instruments auf EU-Ebene ein. Holländische und slowenische Listen wollen Weg über Wahlen gehen. In Österreich sieht man Bulgarien als Vorbild, wo der größte Gewerkschaftsbund die Grundeinkommensidee unterstützt. Präsident des größten bulgarischen Gewerkschaftsbundes bietet Unterstützung für Überzeugungsarbeit im ÖGB an und strebt BGE-Pilotprojekte in Bulgarien, Serbien-Montenegro und Griechenland an. In Frankreich überlegt man lokale Grundeinkommen in Alternativwährungen auszubezahlen, während NGO World Vision globales BGE finanziert durch CO2-Emissionszertifikate vorschlägt.

Den vollständigen Bericht mit Links zu Videomitschnitten etc. gibt es hier >>

Wunderkerze
2 Franzosen besingen den Revenu de Base

Autorin: Marie-Paule Donnier-Valentin

Auch in Frankreich wird das BGE besungen – la chanson du revenu de base – nach dem Chanson von Georges Brassens „La mauvaise réputation“ – im rustikalen Ambiente.

la chanson du revenu de base

Am Ende trinken die beiden Protagonisten Champagner auf die Europäische Bürgerinitiative. Genuss hat in Frankreich in allen politischen Lagern Tradition. Ich muß an Daniel Cohn-Bendit denken, der 1968 als Anführer der Stundentenrevolte „Austern für alle“ forderte. Eines ist mindestens sicher: Wein und Käse wird es nach der Einführung eines BGE noch geben.

Und hier der Text im Original (sogar eine englische Version liegt vor).

Dans cette société sans emploi
Pas de revenu à la fin du mois
Au chômage ou au RSA
On nous parle d’assistanat

Il n’y a pourtant plus d’emploi pour tout le monde
Faudrait un revenu pour rester dans la ronde

Mais les braves gens n’aiment pas qu’on
Ne travaille plus comme des cons
Non les braves gens n’aiment pas qu’on
Soit libre de trimer ou non
Il faut s’insérer dans l’emploi
Le travail libre, ca va pas de soi

Quand vient le jour du 1er Mai
Les syndicats ont oublié
L’abolition du salariat
Cela ne les regarde pas

Il n’y a pourtant plus d’emploi pour tout le monde
Le temps est venu d’une réforme profonde

Mais les braves gens n’aiment pas qu’on
Ne travaille plus comme des cons
Non les braves gens n’aiment pas qu’on
Remette le travail en question
Il faut s’insérer dans l’emploi
Facile à dire, quand on en a

Quand aux travailleurs immigrés
Qui enrichissent la société
Un revenu de citoyenneté
Garantirait leur dignité

Il n’y a pourtant plus d’emploi pour tout le monde
Partageons la richesse qui abonde

Mais les braves gens n’aiment pas qu’on
Ne travaille plus comme des cons
Non les braves gens n’aiment pas qu’on
Puisse dire non à l’exploitation
Il faut s’insérer dans l’emploi
Avoir le choix, certainement pas

Le travail subordonné
Nous pourrions nous en libérer
Loin du mythe de l’oisiveté
Choisir son activité

Etre payé pour pouvoir travailler
Et ne pas perdre sa vie à la gagner

Mais les braves gens n’aiment pas qu’on
Ne travaille plus comme des cons
Non les braves gens n’aiment pas qu’on
Remettre le travail en question
Car le travail c’est la santé
Mais l’plein emploi, c’est du passé !
—————————————-­———————

In this jobless society
There’s no income for the needy
On the dole, we are down-and-out
They tell us we live off hand-outs

But there aren’t enough jobs to go around
We’d need an income to get off the ground

Oh the good people don’t like it
That we won’t have to stick with it
No the good people don’t like it
That we’ll be free to say “I quit”

Just fit into the job market
Autonomy won’t fill your pocket

Come Labour Day every year
The unions act like it’s over
Getting rid of the wage system
Doesn’t it deeply concern them?

But there aren’t enough jobs to go around
The time has come for a big turn-around

Oh the good people don’t like it
That we won’t have to stick with it
No the good people don’t like it
When work isn’t just about grit

Just fit into the job market
Easy, really no need to fret

Think of all the migrant workers
Who help fill up the state’s coffers
Everyone deserves enough
Simply to live a decent life

But there aren’t enough jobs to go around
Why not share the wealth that abounds?

Oh the good people don’t like it
That we won’t have to stick with it
No the good people don’t like it
Exploitation takes the backseat

Just fit into the job market
Choice is something you must forget

Far from any frivolity
I’ll pick my own activity
My meaningful work awaits me
I just won’t need a salary

Alienation has had its day
Let’s free ourselves from the pay

Oh the good people don’t like it
That we won’t have to stick with it
No the good people don’t like it
When work isn’t just about grit
Certainly, work is good for you
But the rat race for jobs won’t do !

Einsam auf dem Zebrastreifen
Die Krise der Demokratie und das BGE
Die Krise der Demokratie und das bedingungslose Grundeinkommen

Ich möchte mit einem Merkel-Zitat beginnen. Prof. Dr. Wolfgang Merkel schrieb 2013 in der FAZ, ob sich Gefährdungen der Demokratie “als Krise „der“ Demokratie manifestieren, hängt von der Handlungs- und Wandlungsfähigkeit demokratischer Institutionen, Verfahren und Kulturen ab.“

Dass ein bedingungsloses Grundeinkommen eine neue demokratische Institution in der Gesellschaft wäre, die Probleme grundsätzlich aufrollt, ist inzwischen bekannt. Generelle Verfahren und Kulturen in der Demokratie würden sich aber auch verändern. Vielen Menschen- und Bürgerechten wäre, wenn auch indirekt, eine konkrete reale bedingungslose Komponente zur Umsetzung zugeordnet, die zudem den direkten Lebensraum aller konkret betrifft.

Anforderungen an eine zukunftsfähige Gesellschaft werden immer stärker an Individuen anstatt an Politik gestellt, bspw. durch die subtile, aber ansteigende Erwartung einer nachhaltigen, sozialen und ökologischen Lebensweise. Die Politik entledigt sich der Verantwortung und hat dennoch konkrete, aber durchaus kostspielige Anliegen an die Bürger, wie bspw. einen nachhaltigen, ökologischen Konsum oder auch soziale, ehrenamtliche oder faire Tätigkeiten, die zum gesellschaftlichen Gelingen beitragen. Diesen Erwartungen von Politik an Menschen wäre zumindest die finanzielle Möglichkeit dazu in der realen Welt durch ein Grundeinkommen zugeordnet. Bereits heute werden zwar zahlreiche Ehrenämter ausgeübt, nur leider regelmäßig von Wohlhabenden, deren Zeit nicht alltäglich der Existenzsicherung dient. Alle sollten aber diese Möglichkeit erhalten. Im Kapitalismus kann das nur finanziell geschehen.

Die momentan konkrete Politik, die an die großen Wirtschaftskonzerne gerichtet ist, scheint bei sinnvoller Wirkungsweise meist destruktiv für die Partner der Politik, die Konzerne. Konzerne haben sich inzwischen gewehrt, indem sie sich einflussreiche Gestaltungskraft auf Politik gesichert haben. Der unternehmerische Profit ermöglicht ausreichend Lobbying und Marketing, um den Profit erneut zu sichern. Die marktorientierte Globalisierung wird von Konzernen sogar genutzt, um Staaten gegeneinander auszuspielen und Profitanteile, die dem Gemeinwohl gehören, schlicht nicht zu zahlen. Politik, die weiterhin an die Konzerne adressiert ist, bleibt wirkungslos. Ein bedingungsloses Grundeinkommen, das mit stärkeren freiwilligen, ethischen und sozial-ökologischen Ansprüchen an die Individuen versehen ist, scheint aber sehr konstruktiv, da auch die Partner, in dem Fall Individuen, sich einbezogen und nicht angegriffen fühlen. Andererseits ensteht aber auch tatsächliches demokratisches Verlangen für alle Individuen, da die Menschen die Verantwortung auch wieder bei sich suchen müssen und nicht an „die da oben“ abschieben können. Die Rolle des Grundeinkommens in der Demokratie ist also zentral.

Ein Grundeinkommen wäre eine Demokratiepauschale für politisches Handeln in jeder Form. Parteimitglieder wären unabhängig von den Gnaden ihrer auf Karriere erpichten Abgeordneten, die Jobs zu vergeben haben. Keiner wäre von seiner politischen Arbeit, oder auch nur Orientierung, finanziell abhängig. Zusätzlich könnten sich NGOs und andere gesellsellschaftliche Gruppen unabhängig von ihrem Status und Vermögen organisieren, bspw. wäre eine Erwerbslosenorganisation, die den Einfluss einer Gewerkschaft hätte, denkbar. Der Korruptionsanreiz würde sinken. Man könnte meinen, die Anliegen aller Menschen würden, quasi nahezu automatisiert, zu einem gemeinsamen Willen zusammengefügt, da ansonsten keiner die existenzsichernden Tätigkeit für die Gesellschaft erfüllt. Das gute Leben für alle wäre sozusagen genauso Grundvoraussetzung für bedarfsorientierte gesellschaftliche Aktivität wie bedarfsorientierte gesellschaftliche Aktivität für eine Gemeinschaft Grundvoraussetzung ist. Gemeinschaft wird damit sozusagen Voraussetzung für Demokratie, wie Gemeinschaft das einzig denkbare Ergebnis realer Demokratie wäre.

Es bleibt mit Wolfgang Merkel zu hoffen, dass sich keine Krise der Demokratie manifestiert und sich die Wandlungsfähigkeit der demokratischen Institutionen, Verfahren und Kulturen bei der Umsetzung des Grundeinkommens zeigt und umgekert die Handlungsfähigkeit der Demokratie durch ein Grundeinkommen widerhergestellt wird.

Ich freue mich auf den Workshop am 5.4. im Rudolf Steiner Haus, der sich diesem Thema widmet. Ich bin gespannt, wie Dr. Serge Embacher, Politikwissenschafter, Berlin / Prof. Dr. Johannes Heinrichs, Sozialphilosoph, Duisburg / Prof. Dr. Sascha Liebermann, Soziologe, Bonn und Cord Wöhlke, der ehemals langjährige Geschäftsführer der Budniskowsky-Kette in Hamburg diese Verknüpfungen zwischen Demokratie, Krise und Grundeinkommen denken und hoffe auf spannende Diskussionen und Anregungen. Zudem würde ich mich freuen, wenn sich niemand von den Eintrittspreisen abschrecken lässt, eine Ermäßigung bieten wir jedem bedingungslos.

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