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Gemeinsam stark
Ist das BGE ein Mittel gegen den Rechtsruck?

Rassismus und jede gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit bedrohen – aktuell wieder zunehmend – betroffene Menschen, den sozialen Frieden und in ihrer organisierten Form auch die Demokratie. Die Frage ist, warum Menschen rassistische Haltungen oder Weltbilder entwickeln und wie wir gegensteuern und gesellschaftliche Rahmenbedingungen so verändern
können, dass diesen der Nährboden entzogen wird.

>> Onlineveranstaltung 02.11.2026, 18:30 Uhr
Bitte melde dich bei Interesse unter info@grundeinkommen-hamburg.de für diese Veranstaltung an <<

Aus Sicht des Referenten Eric Manneschmidt ist die Idee des Bedingungslosen Grundeinkommens hier vielversprechend, und zwar auf mehreren Ebenen:

Den Mythos der Knappheit widerlegen Es steht die Behauptung im Raum, dass unser Wohlstand, unsere Ressourcen nicht ausreichen würden, damit alle Menschen in Würde leben können. Das ist sachlich falsch (vorausgesetzt “in Würde leben” bedeutet nicht, dass alle eine Superjacht und einen Privatjet haben sollen). Wir haben ein Verteilungsproblem, kein Produktionsproblem – und zwar weltweit. Aber wenn man an die große Knappheit glaubt, dann ist es plausibel anzunehmen, dass wir uns im ewigen Kampf gegeneinander um das Lebensnotwendige befinden und da auch gar nicht rauskommen. Dann ist Mitleidlosigkeit mit Anderen oder “Schwächeren” schon fast Menschenpflicht – und wird ja auch genauso von Rechtsaußen propagiert.
Ein BGE für alle würde die Lüge von der großen Knappheit für alle Menschen nachvollziehbar widerlegen.

Menschen, die sich nicht (mehr) von anderen bedroht fühlen (müssen), sind voraussichtlich weniger auf Feindbilder und die Abwertung anderer angewiesen, um mit sich und ihrem Leben klar zu kommen.

Mit dem BGE wird auch offensichtlich, was heute viele übersehen: Wir sind aufeinander angewiesen. Unsere Spezies zeichnet sich gegenüber anderen dadurch aus, dass wir eine sehr lange und intensive Brutpflege betreiben müssen, da wir außergewöhnlich hilflos auf die Welt kommen. Außerdem haben wir eine weit überdurchschnittliche Kommunikationsfähigkeit entwickelt (Sprache, Mimik). Rein biologisch sind wir auf äußerste Kooperation angelegt. Deswegen ist es so absurd, dass uns immer gepredigt wird, dass jede/r am besten nur für sich selbst sorgen soll – das können wir noch nicht einmal, denn unsere (globale) Wirtschaft ist hoch arbeitsteilig – und genau dadurch so produktiv.
Mit dem BGE – und auch schon mit der Diskussion über das BGE – können wir die Diskussion über (falsch verstandene) Eigenverantwortung” und “Unabhängigkeit” vom Kopf auf die Füße stellen.

Das BGE würde vielen Menschen viel mehr Zeit und Muße verschaffen, was die Voraussetzungen dafür sind, über Dinge nachzudenken und sich vielleicht auch gesellschaftlich zu engagieren. Heute müssen die meisten – und das wird von der Politik aktuell noch forciert – möglichst viel Erwerbsarbeit machen und laufen dabei oft noch in den Burnout. Dabei trägt Erwerbsarbeit keineswegs immer und per se zum Gemeinwohl bei, der Ökonom Günther Moewes setzte den Anteil sinnloser oder sogar schädlicher Jobs mit 40-60% an, der US-Kulturanthropologe David Graeber schrieb von Bullshit Jobs. In unserem heutigen sozio-ökonomischen System gilt im Zweifelsfall derjenige als “nützliches Mitglied der Gesellschaft”, der z.B. für eine rechtsextreme Partei als bezahlter Social Media-Manager Hass und Hetze verbreitet, während auf der anderen Seite alle, die sich unbezahlt für die Demokratie oder die Menschenrechte engagieren – zumindest wenn sie dabei von Transferleistungen leben – als Sozialschmarotzer diffamiert werden. Mit dem BGE hätten wir alle die Möglichkeit, etwas Sinnvolles zu tun und das Schädliche zu unterlassen.

Der heutige Sozialstaat gewährleistet dies nicht, da er grundsätzlich von der Erwerbsarbeit als Norm ausgeht und die Menschen genau dafür “aktivieren” will – und zwar mit der Androhung, ihnen das Existenzminimum zu entziehen. Zudem spaltet er die Gesellschaft, indem auch was das Existenzminimum (das eh alle immer brauchen) angeht, die Menschen in “Bedürftige” und “Leistungsträger” eingeteilt werden. Diese Sichtweise ist erstens unterkomplex, da sich Leistung so gut wie nie eindeutig bestimmten Individuen zuordnen lässt und dadurch zudem die gesellschaftliche und ökonomische Relevanz der unbezahlten Arbeit unterbewertet oder sogar komplett ignoriert wird. Außerdem führt es zur Nicht-Inanspruchnahme von Transferleistung (Verdeckte Armut) und der Stigmatisierung derjenigen, die sie in Anspruch nehmen. Das Ergebnis ist eine gespaltene Gesellschaft, in der verschiedene Menschen oder Gruppen einander unterstellen, dass jeweils die anderen ein parasitäres Leben führen würden. Das ist ein klassisches Einfallstor für die antidemokratischen Kräfte, die genau diese Art von Polarisierung und Sündenbock-Denken in politische Macht übersetzen (wollen).

>> Onlineveranstaltung 02.11.2026, 18:30 Uhr
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Weiterführende Informationen

Ein sehr kurzer Text des thüringischen Demokratie-Aktivisten Ralf-Uwe Beck (u.a. Bundesvorstandssprecher von Mehr Demokratie e.V.) vom 16.01.2026
https://www.ekmd.de/glaube/radio-andachten/augenblick-mal-mdr-thueringen/grundeinkommen.html

Der US-Bürgerrechtler Dr. Martin Luther King 1967 in „Wohin führt unser Weg: Chaos oder Gemeinschaft?“ (“Where do we go from here – Chaos or Community?”)
https://www.livableincome.org/aMLK-deutsch.htm

Bedingungsloses Grundeinkommen weltweit – Eine Antwort auf internationale Migrationen
https://bge-rheinmain.org/eine-antwort-auf-internationale-migrationen

Offener Brief an das Bündnis für einen starken und zukunftssicheren Sozialstaat (1.5.26)
https://bge-rheinmain.org/offener-brief-an-das-bundnis-fur-einen-starken-und-zukunftssicheren-sozialstaat

Zur Person

Eric Manneschmidt engagiert sich seit über 20 Jahren für ein Bedingungsloses Grundeinkommen für alle Menschen. 2015 hat er die Initiativgruppe Bedingungsloses Grundeinkommen Rhein-Main mitgegründet.
https://bge-rheinmain.org/
http://www.politik-werkstatt.de/Koepfe.htm#EricManneschmidt

Vernetzung in europa
Ein soziales Europa? Es bleibt noch vieles zu tun …

Interview mit dem Hamburger Netzwerk Grundeinkommen, vertreten durch die Vorstandsmitglieder Otto Lüdemann und Rainer Ammermann in den Kulturpolitischen Mitteilungen (Ausgabe Nr. 178, III/2022)

KuMi: »In Europa haben wir die gerechtesten Gesellschaften der Welt, die höchsten Standards bei den Arbeitsbedingungen und den breitesten Sozialschutz« – so beschreibt die Europäische Kommission die soziale Lage in der EU im Vergleich mit anderen Weltregionen.
Es gibt seit dem Göteborger Gipfel 2017 die europäische Säule sozialer Rechte, in einer Strategischen Agenda für 2019 – 2024 wird eine »Richtschnur für ein starkes soziales Europa des 21. Jahrhunderts, das gerecht und inklusiv ist und Chancen für alle bietet« für die Mitgliedstaaten ausgebreitet. Gleichzeitig sind die Kompetenzen der EU in der Sozialpolitik beschränkt; sie kann die Tätigkeit der Mitgliedstaaten auf dem Gebiet der Arbeitsbedingungen nur unterstützen und ergänzen. So hat die Europäische
Kommission im Oktober 2020 dem Rat und dem Europäischen Parlament einen Vorschlag für eine Richtlinie über angemessene Mindestlöhne in der EU vorgelegt.
Vor dem Hintergrund dieser Lage der »Sozialen Säule« der EU – wo sehen Sie die aktuellen Herausforderungen?

Im Weltmaßstab betrachtet mag die EU als vergleichsweise sozial gerecht erscheinen. Das macht jedoch nicht die massiven Defizite bei ihren sozialpolitischen Kompetenzen wett, führen die doch zu einem erheblichen Gefälle des Lebensstandards innerhalb der EU. Entscheidend ist, dass der europäischen
Exekutive die gesetzlichen Grundlagen und die Mittel fehlen, eine echte Sozialpolitik überhaupt zu konzipieren und konsequent durchzusetzen. Inhaltlich müsste eine alternative EU-Sozialpolitik
eine Doppelstrategie verfolgen:

  1. Auf der ökonomischen Ebene müsste sie möglichst nachhaltig den durch aktuelle Krisen aufgewor-
    fenen Herausforderungen gerecht werden. Ansätze, die wie das vom Wirtschafts- und Sozialausschuss des EU-Parlaments ausdrücklich begrüßte Konzept der Gemeinwohlökonomie (GWÖ) oder anderer vergleichbarer Bewegungen (etwa Donut- und Postwachstumsökono-
    mie, MMT) können dafür eine Leit-Orientierung bieten.
  2. Auf der sozialpolitischen Ebene müsste sie statt bloßer Vermeidung extremer Armut vor allem allen EU-Bürgerinnen und Bürgern ermöglichen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, um daraus ein »gutes« Leben werden zu lassen. Das Konzept des Bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) gemäß den dafür weltweit anerkannten Kriterien (d.h. anders als manche Konzernlenker
    es gerne sähen) bietet dafür eine Orientierung.

KuMi: Ihr Bündnis hat ja eine Europäische Bürgerinitiative »Bedingungsloses Grundeinkommen in der gesamten EU« unterstützt. Wie könnte dies Ihrer Meinung nach in den europäischen Staaten soziale Ungleichheiten verringern? Und: Weshalb wurde ihrer Meinung nach das Quorum verfehlt?

Bei der erwähnten Initiative ging es nicht um das Ziel »soziale Gleichstellung«, was u.E. weder ein realistisches noch ein wünschenswertes Ziel wäre. Eher schon um Chancengleichheit bzw. überhaupt erstmal um die Chance, verfassungsmäßig garantierte, demokratische Grundrechte in Anspruch zu
nehmen und auszuüben. Etwa in Fällen extremer Armut ist dies nämlich z.Zt. keineswegs gewährleistet.

Allerdings beschränken sich unsere Erwartungen an ein BGE nicht auf dieses fundamentale Recht und Ziel. Vielmehr gehen wir davon aus, dass ein BGE für viele Menschen produktive Impulse zur »Selbstermächtigung« und »Selbstbestimmung« ihres eigenen individuellen Lebens, aber auch für vorher nicht mögliche Initiativen in Gruppen und Institutionen sowie in der Gesellschaft insgesamt auslösen würde. Ein europaweites BGE wäre in diesem umfassenden Sinn ein entscheidender »Kulturimpuls«.

Die Frage nach den Gründen für das Verfehlen des Quorums von 1 Million Unterstützungsbekundungen lässt sich schwerlich eindeutig beantworten. Einerseits haben die Pandemie und weitere hinzugekommene Krisen den Menschen die Dringlichkeit einer dauerhaften sozialen Absicherung massiv vor Augen geführt. Der Staat hätte also immense Bürokratiekosten eingespart, hätte es zu Beginn der Pandemie bereits ein BGE gegeben. Eine breite Unterstüt zung der EBI hätte somit nahegelegen.
Andrerseits bleiben Vermutungen, weshalb die Menschen sich in diesen Pandemiezeiten trotzdem damit schwertaten, zwangsläufig vage und spekulativ.
Wurde die Initiative medial nicht optimal vermittelt? War die Bevölkerung mit so viel Krisen schlicht überfordert? Gab es noch andere Gründe? Wir werden es vermutlich nicht erfahren.

KuMi: Trotz des Scheiterns der Europäischen Bürgerinitiative gibt es ja weiter ein großes Interesse an dem Thema. So hat das Bedingungslose Grundeinkommen Eingang in die Ergebnisse der Konferenz zur Zukunft Europas gefunden: »The most recurring sub-theme, with several ideas being highly endorsed and
commented on, concerns the unconditional basic income to ensure the ability of each person to participate in society«. Wie wird es hier Ihrer Erwartung nach weitergehen?

Die »Konferenz zur Zukunft Europas« ist mit den vorliegenden Empfehlungen noch nicht zu einem definitiven Abschluss gekommen. Die Empfehlungen werden vielmehr auf unterschiedlichen
Ebenen und in unterschiedlichen Gremien weiter zu behandeln sein.
Auch ein Verfassungskonvent mit der Möglichkeit, Vertragsänderungen zu erreichen, ist möglich. Wir werden diese Entwicklung aufmerksam verfolgen und uns im Rahmen unserer Möglichkeiten weiter einbringen. Das von uns vorbereitete Ausstellungsprojekt zum Thema Grundeinkommen, zusammen
mit den in seinem Rahmen möglichen Veranstaltungen, sehen wir als Chance, das Thema wie die damit verknüpften Herausforderungen im öffentlichen Bewusstsein präsent zu halten.

KuMi: Im Februar haben Sie sich um eine Förderung im EU-Programm CERV beworben. Gibt es schon eine Rückmeldung zu Ihrem Antrag? Welche Ideen sollen mit Ihrem Projekt verwirklicht werden?

Die erfolgte Rückmeldung zu unserem Antrag besagt, dass wir zwar nicht sofort eine Zusage erhalten haben, dass unser Projekt aber auf einer Reserveliste die Chance erhalten wird, im Rahmen eventuell verfügbarer finanzieller Ressourcen gegen Ende des Jahres doch noch berücksichtigt zu werden.
Wie schon angedeutet, möchten wir mit der Ausstellung »Mensch, Grundeinkommen!« eine offene Informations- und Diskussionsplattform schaffen, welche die Idee des BGE zu den Menschen bringt. Sie selbst sollen sich ein Bild machen und entscheiden, ob sie sich in dieser Idee wiederfinden.

Wir danken für das Gespräch!

Das Interview führte Jochen Butt-Pośnik, Kontaktstelle CERV.

Das Dokument gibt es >> hier zum Download.

Zusammen sind wir stark
Auf dem Wege zu einer produktiven Grundeinkommensgesellschaft

Bericht zu einem Arbeitskreistreffen des “AK Wege aus der Entfremdung”Im Rahmen der Internationalen Erich-Fromm-Gesellschaft vom 17.-19.01.2020 in Tübingen

  1. Freitagabend: Wiedersehen / Kennenlernen im Restaurant „Mauganeschtle“.

Wir bilden eine bunt zusammengewürfelte Gruppe aus Ehemaligen und Neuen, die teils mit dem Thema bereits vertraut, teils auch komplette „Novizen“ sind. Diese Mischung ist durchaus gewollt, spiegelt sie doch die Realität eines BGE, das in der Gesellschaft erst noch ankommen muss.

  1. Samstagmorgen: Video-Diskussion mit R.D. Precht, H. Welzer und K. Gentinetta über das Thema: „Schöne neue digitale Welt“, siehe: https://www.youtube.com/watch?v=hdQhdJajQf8

Das gemeinsame Anschauen des Videos (genauer: im Wesentlichen etwa ab Minute 31.00) dient uns als Einstieg in einen intensiven Austausch über das BGE, das insbesondere seitens Richard David Precht, aber grundsätzlich auch seitens Harald Welzer als eine geeignete und angemessene Antwort auf die mit der Digitalisierung zu erwartenden großen Probleme auf dem Arbeitsmarkt angesehen wird. Die dritte Gesprächspartnerin, Katja Gentinetta, Politik-Wissenschaftlerin aus der Schweiz, lehnt dagegen das BGE entschieden ab; sie setzt eher auf eine Anpassung und Weiterentwicklung bestehender sozial-staatlicher Systeme und Instrumente. Auch in unserer Gruppe löst das Video eine lebhafte Diskussion über die Herausforderungen der Digitalisierung im privaten Bereich, in der Arbeitswelt sowie in Gesellschaft und Politik insgesamt aus. Bezüglich einer angemessenen Antwort darauf finden sich neben überzeugten Befürwortern eines BGE auch Skeptiker der Idee und Menschen, die erst noch dabei sind, sich ihre Meinung zu bilden. Genau dazu will das Ausstellungsprojekt einen wesentlichen Beitrag leisten, das wir am Nachmittag vorstellen:

  1. Samstagnachmittag 1: Otto Lüdemann und Michael Scholz / Präsentation des Hamburger Ausstellungsprojektes zum BGE:

Hier ein paar Kernaussagen zu den Zielen des Projektes: „Mit einer interaktiven und mobilen Erlebnis-ausstellung zur Idee des Bedingungslosen Grundeinkommens möchten wir öffentliche Orte schaffen, wo Menschen von dieser Idee berührt, inspiriert und zu einer aktiven Auseinandersetzung angeregt werden. Die Ausstellung lädt ein zum Nachdenken über sich, das Leben, die Arbeit – oder auch ‚Nicht-Arbeit‘ – und darüber, was sich alles mit der Schaffung eines BGE ändern würde.“ Ein Internet-Auftritt zu dem Projekt, inkl. Spenden-Plattform, findet sich unter: http://www.mensch-grundeinkommen.net, ergänzende Präsentationen des Projektes unter folgenden Links:

Auf der Website in der Menuleiste am oberen Rand, rechts unter dem Button: MEHR
Alternativ In der Fußleiste, mittig, unter dem Button: „Medien und Dokumente“.

Die folgende „Ideenskizze“ bietet eine erste Konkretisierung der Ziele an:

„Wir möchten die Ausstellung als Treffpunkt für eine gesellschaftliche Debatte, – nicht nur in Deutschland, sondern europaweit – etablieren. Das Bedingungslose Grundeinkommen soll nicht als arbeitsmarkt- oder sozialpolitische Maßnahme “verkauft”, sondern als demokratischer und kultureller Impuls angeboten werden, dessen Potenziale für Demokratie, Arbeit, Ökologie und Wirtschaft erst mit einer intensiven öffentlichen Diskussion deutlich werden. Dafür möchten wir die Ausstellung in Deutschland und Europa zu so vielen Menschen wie möglich bringen und sie nicht allein als Konsumenten ansprechen, sondern als Akteure in diese Entwicklung einbinden.“

Mit dieser Zielsetzung und den ersten Konkretisierungen einer geplanten Umsetzung haben wir auch die Verantwortlichen eines im Herbst 2019 neu gegründeten Forschungsinstituts und Kompetenz-zentrums zum BGE an der Universität Freiburg i.Br. überzeugen können, uns zu unterstützen,
nämlich das Freiburg-Institute-of Basic Income Studies (FRIBIS) / Götz-Werner-Professur: Prof. K.J. B. Neumärker:

  1. Präsentation der Ziele und geplanten Arbeitsweise von FRIBIS (= „

Geplant ist, einen einmaligen internationalen und interdisziplinären Verbund von Forschern und zivil-gesellschaftlich Aktiven zur Erforschung des bedingungslosen Grundeinkommens in all seine Facetten zu errichten. Dazu werden Workshops und Tagungen organisiert und sich Gruppen von Wissenschaftlern und zivilgesellschaftlich Aktiven zu spezifischen Themen bilden, um Wissenstransfer aus der Forschung sowie Herausforderungen von Zivilgesellschaft und Politik an die Wissenschaft zu gestalten und Implemen-tierungspotentiale zu ermitteln. Eine FRIBIS-Nachwuchsforschergruppe wird auch errichtet.

  1. Samstagnachmittag 2: Rainer Funk: / Beitrag: „Innere Widerstände gegen eine zeitnahe Einführung des BGE aus sozialpsychologischer Sicht nach Erich Fromm“

Erich Fromm hat sich bekanntlich schon im Jahr 1966 dezidiert für ein „garantiertes Einkommen für alle“ ausgesprochen, wie er das BGE seinerzeit noch nannte. Er war sich aber auch der Widerstände in der Gesellschaft bewusst, die bisher eine rasche Einführung verhindert haben.

Rainer Funk präsentiert und kommentiert in seinem Beitrag eine Reihe von entsprechenden Widerständen, die er aus den von Erich Fromm unterschiedenen Orientierungen des Gesellschafts-charakters (oder auch: Sozial-Charakters) ableitet. Da der Gesellschaftscharakter sich im Laufe der Zeit ändert und es auch – kontextabhängig – jeweils mehr oder weniger dominierende Orientierungen gibt, können die so abgeleiteten Widerstände variabel sein. Gemeinsam ist ihnen jedoch, dass sie in der Regel auf einer Selbstentfremdung der Menschen beruhen, die sie im Sinne eines Abwehr-mechanismus daran hindert, ihre eigenen menschlichen und produktiven Kräfte zu entfalten. Exemplarisch ist dies am besten am Beispiel der von Fromm so benannten Marketing-Orientierung des Gesellschaftscharakters zu erkennen, näher erläutert etwa im Kapitel über den Marketing-Charakter in dem Buch: Rainer Funk: Das Leben selbst ist eine Kunst, Einführung in Leben und Werk von Erich Fromm, Herder-Verlag 2018.

  1. Samstagabend: Daniel Weißbrodt: Autorenlesung aus dem Buch: „Kurzer Abriss der deutschen Geschichte von 2020 – 2050 / Wie das Bedingslose Grundeinkommen unser Leben und unsere Gesellschaft verändert hat“.

Anlässlich der Autorenlesung am Samstagabend mit Daniel Weißbrodt stoßen zu unserer Gruppe einige weitere Teilnehmer hinzu, die davon über eine Pressenotiz in der Lokalpresse erfahren haben.

Daniel Weißbrodt nimmt uns mit auf eine Zeitreise in die Zukunft, nämlich ins Jahr 2050, von wo er in einem „fiktiven Bericht“ auf 30 Jahre zurückliegender deutscher Geschichte zurückblickt, in denen das Bedingungslose Grundeinkommen eingeführt wurde.

Auch wenn für alle klar ist, dass es sich um einen sehr subjektiven, fiktiven und insoweit natürlich anfechtbaren Versuch handelt, die mögliche Zukunft unseres Landes vorwegzunehmen, wird dieser Versuch vom Autor doch unter Rückgriff auf sorgfältige Recherchen, z.T. auch Fakten, und vor allem auf seine methodisch geschulte Herangehensweise als Historiker unternommen, was dem gewagten Unternehmen letztlich gleichwohl eine gewisse Plausibilität verleiht. Dementsprechend dankte das Publikum dem Autor mit herzlichem Beifall.

  1. Sonntagmorgen: Otto Lüdemann und Michael Scholz / Gemeinwohlökonomie und Bedingungsloses Grundeinkommen
  1. Kurzvideo zu Zielen und Arbeitsweisen der GWÖ, präsentiert von deren Gründer, Christian Felber.
  2. Power-Point „Wem gehört die Welt?“ Die PPP versucht, in ca. 20 Folien mit kurzen Begleittexten Ottos Grundthese zu veranschaulichen, dass eine engere Zusammenarbeit von BGE und GWÖ als zwei inzwischen europa- und weltweit aufgestellten Bewegungen erhebliche produktive Synergien auslösen und im Ergebnis gleichermaßen zu größerer sozialer u n d ökologischer Nachhaltigkeit bei den betroffenen Menschen und Unternehmen/Gesellschaften führen werde. Ausführlicher wird diese These in einem Beitrag dargestellt und analysiert. der auf der Website der Internationalen Erich-Fromm-Gesellschaft nachzulesen ist: www.fromm-gesellschaft.eu/index.php/de/publikationen-blog/zur-diskussion
  3. Austausch: Es wird der Wunsch geäußert, mehr über die Arbeitsweise der GWÖ, insbesondere bezüglich der Evaluierung und Zertifzierung der Unternehmen, zu erfahren. Unsere beiden anwesenden Experten; Günther Grzega, ehemaliger Vorstandchef der Sparda-Bank München, für deren GWÖ-Zertifizierung er gesorgt hat, und Alessandra Hensel, seit kurzem Geschäftsführerin des Landesverbandes Baden-Württemberg und Koordinatorin der entsprechenden GWÖ-Regionalgruppen, geben dazu bereitwillig Auskunft: In ihren Beiträgen unterstreichen sie, dass der GWÖ-Zertifizierungsprozess ein dynamischer und demokratischer Prozess ist. Schrittweise werde darin in der Regel die gesamte Belegschaft eines Unternehmens einbezogen, wobei auch das benutzte Evaluierungsinstrument, die sog. GWÖ-Matrix oder -Bilanz, immer wieder einer Überprüfung und bedarfsgerechten Anpassung unterzogen werde.
  4. Ottos Vorschlag eines BGE- Pilotprojektes, bei dem als Zielgruppe Mitarbeiter/Innen eines GWÖ-Unternehmens für eine begrenzte Zeit eine regelmäßige finanzielle Zuwendung, also eine Art „partielles BGE“ (etwa im Sinne einer Eurodividende) erhalten würden. Das Erkenntnisinteresse einer wissenschaftlichen Begleitstudie dazu läge darin, Konsequenzen im Verhalten der Mitarbeiter/ Innen bezüglich einer gewünschten Reduzierung ihrer Arbeitszeit oder einer Veränderung ihrer Arbeitsplatzbeschreibung zu dokumentieren und auszuwerten. Die Auswertung könnte sich nötigenfalls auch auf eine Kontrollgruppe stützen, die kein partielles BGE erhalten würde. Von Interesse wären gleichermaßen Reaktionen des Managements zur Überprüfung/ Veränderung der Arbeitsorganisation. Die Finanzierung eines solchen Pilotprojektes müsste entweder z.B. aus EU- oder aus Stiftungsmitteln gewährleistet werden. Der Vorschlag wird von den anwesenden GWÖ-Experten als bedenkenswert angesehen. Sie erwägen, ihn in den einschlägigen Gremien der GWÖ diskutieren und bewerten zu lassen.
  1. Rückblick und Ausblick: Das Treffen wurde allgemein als sehr informativ und anregend erlebt. Falls das erwähnte Pilotprojekt auf Interesse stoßen und sich daraus weiterführende Perspektiven ergeben sollten, könnte sich daraus zugleich auch das Interesse unserer Gruppe an einer Vertiefung und Weiterentwicklung unseres Gedankenaustauschs ergeben. Ein solches Interesse könnte sich freilich durchaus auch ohne ein solches Pilotprojekt ergeben, etwa wenn sich im Rahmen des bereits erwähnten neugegründeten Forschungsinstituts FRIBIS in Freiburg eine Perspektive zur näheren Erforschung der von uns thematisierten offenen Fragen ergeben sollte. Als Beispiel für eine solche besondere Forschungsfrage kann die einer anzunehmenden gemeinsamen Werteorientierung der beiden Bewegungen GWÖ und BGE gelten, ist doch bei beiden erkennbar, dass es ihnen nicht nur um Reduzierung von habenorientierter Fremdbestimmung, und damit von „Entfremdung“, sondern vielmehr zugleich auch im Sinne Fromms um die wünschenswerte Förderung von seinsorientierter Selbstbestimmung der Menschen geht.
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