Rassismus und jede gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit bedrohen – aktuell wieder zunehmend – betroffene Menschen, den sozialen Frieden und in ihrer organisierten Form auch die Demokratie. Die Frage ist, warum Menschen rassistische Haltungen oder Weltbilder entwickeln und wie wir gegensteuern und gesellschaftliche Rahmenbedingungen so verändern
können, dass diesen der Nährboden entzogen wird.
>> Onlineveranstaltung 02.11.2026, 18:30 Uhr
Bitte melde dich bei Interesse unter info@grundeinkommen-hamburg.de für diese Veranstaltung an <<
Aus Sicht des Referenten Eric Manneschmidt ist die Idee des Bedingungslosen Grundeinkommens hier vielversprechend, und zwar auf mehreren Ebenen:
Den Mythos der Knappheit widerlegen Es steht die Behauptung im Raum, dass unser Wohlstand, unsere Ressourcen nicht ausreichen würden, damit alle Menschen in Würde leben können. Das ist sachlich falsch (vorausgesetzt “in Würde leben” bedeutet nicht, dass alle eine Superjacht und einen Privatjet haben sollen). Wir haben ein Verteilungsproblem, kein Produktionsproblem – und zwar weltweit. Aber wenn man an die große Knappheit glaubt, dann ist es plausibel anzunehmen, dass wir uns im ewigen Kampf gegeneinander um das Lebensnotwendige befinden und da auch gar nicht rauskommen. Dann ist Mitleidlosigkeit mit Anderen oder “Schwächeren” schon fast Menschenpflicht – und wird ja auch genauso von Rechtsaußen propagiert.
Ein BGE für alle würde die Lüge von der großen Knappheit für alle Menschen nachvollziehbar widerlegen.
Menschen, die sich nicht (mehr) von anderen bedroht fühlen (müssen), sind voraussichtlich weniger auf Feindbilder und die Abwertung anderer angewiesen, um mit sich und ihrem Leben klar zu kommen.
Mit dem BGE wird auch offensichtlich, was heute viele übersehen: Wir sind aufeinander angewiesen. Unsere Spezies zeichnet sich gegenüber anderen dadurch aus, dass wir eine sehr lange und intensive Brutpflege betreiben müssen, da wir außergewöhnlich hilflos auf die Welt kommen. Außerdem haben wir eine weit überdurchschnittliche Kommunikationsfähigkeit entwickelt (Sprache, Mimik). Rein biologisch sind wir auf äußerste Kooperation angelegt. Deswegen ist es so absurd, dass uns immer gepredigt wird, dass jede/r am besten nur für sich selbst sorgen soll – das können wir noch nicht einmal, denn unsere (globale) Wirtschaft ist hoch arbeitsteilig – und genau dadurch so produktiv.
Mit dem BGE – und auch schon mit der Diskussion über das BGE – können wir die Diskussion über (falsch verstandene) Eigenverantwortung” und “Unabhängigkeit” vom Kopf auf die Füße stellen.
Das BGE würde vielen Menschen viel mehr Zeit und Muße verschaffen, was die Voraussetzungen dafür sind, über Dinge nachzudenken und sich vielleicht auch gesellschaftlich zu engagieren. Heute müssen die meisten – und das wird von der Politik aktuell noch forciert – möglichst viel Erwerbsarbeit machen und laufen dabei oft noch in den Burnout. Dabei trägt Erwerbsarbeit keineswegs immer und per se zum Gemeinwohl bei, der Ökonom Günther Moewes setzte den Anteil sinnloser oder sogar schädlicher Jobs mit 40-60% an, der US-Kulturanthropologe David Graeber schrieb von Bullshit Jobs. In unserem heutigen sozio-ökonomischen System gilt im Zweifelsfall derjenige als “nützliches Mitglied der Gesellschaft”, der z.B. für eine rechtsextreme Partei als bezahlter Social Media-Manager Hass und Hetze verbreitet, während auf der anderen Seite alle, die sich unbezahlt für die Demokratie oder die Menschenrechte engagieren – zumindest wenn sie dabei von Transferleistungen leben – als Sozialschmarotzer diffamiert werden. Mit dem BGE hätten wir alle die Möglichkeit, etwas Sinnvolles zu tun und das Schädliche zu unterlassen.
Der heutige Sozialstaat gewährleistet dies nicht, da er grundsätzlich von der Erwerbsarbeit als Norm ausgeht und die Menschen genau dafür “aktivieren” will – und zwar mit der Androhung, ihnen das Existenzminimum zu entziehen. Zudem spaltet er die Gesellschaft, indem auch was das Existenzminimum (das eh alle immer brauchen) angeht, die Menschen in “Bedürftige” und “Leistungsträger” eingeteilt werden. Diese Sichtweise ist erstens unterkomplex, da sich Leistung so gut wie nie eindeutig bestimmten Individuen zuordnen lässt und dadurch zudem die gesellschaftliche und ökonomische Relevanz der unbezahlten Arbeit unterbewertet oder sogar komplett ignoriert wird. Außerdem führt es zur Nicht-Inanspruchnahme von Transferleistung (Verdeckte Armut) und der Stigmatisierung derjenigen, die sie in Anspruch nehmen. Das Ergebnis ist eine gespaltene Gesellschaft, in der verschiedene Menschen oder Gruppen einander unterstellen, dass jeweils die anderen ein parasitäres Leben führen würden. Das ist ein klassisches Einfallstor für die antidemokratischen Kräfte, die genau diese Art von Polarisierung und Sündenbock-Denken in politische Macht übersetzen (wollen).
>> Onlineveranstaltung 02.11.2026, 18:30 Uhr
Bitte melde dich bei Interesse unter info@grundeinkommen-hamburg.de für diese Veranstaltung an <<
Weiterführende Informationen
Ein sehr kurzer Text des thüringischen Demokratie-Aktivisten Ralf-Uwe Beck (u.a. Bundesvorstandssprecher von Mehr Demokratie e.V.) vom 16.01.2026
https://www.ekmd.de/glaube/radio-andachten/augenblick-mal-mdr-thueringen/grundeinkommen.html
Der US-Bürgerrechtler Dr. Martin Luther King 1967 in „Wohin führt unser Weg: Chaos oder Gemeinschaft?“ (“Where do we go from here – Chaos or Community?”)
https://www.livableincome.org/aMLK-deutsch.htm
Bedingungsloses Grundeinkommen weltweit – Eine Antwort auf internationale Migrationen
https://bge-rheinmain.org/eine-antwort-auf-internationale-migrationen
Offener Brief an das Bündnis für einen starken und zukunftssicheren Sozialstaat (1.5.26)
https://bge-rheinmain.org/offener-brief-an-das-bundnis-fur-einen-starken-und-zukunftssicheren-sozialstaat
Zur Person
Eric Manneschmidt engagiert sich seit über 20 Jahren für ein Bedingungsloses Grundeinkommen für alle Menschen. 2015 hat er die Initiativgruppe Bedingungsloses Grundeinkommen Rhein-Main mitgegründet.
https://bge-rheinmain.org/
http://www.politik-werkstatt.de/Koepfe.htm#EricManneschmidt


